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Der ideale Mann!
Er war der Stärkste einer Gruppe von 7 – 8 Halbaffen, hatte alle
im Zweikampf besiegt, alle machten ihm Platz, wenn eine Nahrungsquelle
gefunden oder ein Wasserloch entdeckt war, er beanspruchte alle weiblichen
Mitglieder der Gruppe für sich, er war der erste, der dem Feind entgegentrat,
aber wenn ein größeres Raubtier in Sicht war, rettete auch er sich so schnell
wie möglich auf einen Baum.
Die Gruppe jagte zusammen. Er hatte die beste Nase, das beste
Gespür, sein Pfeil verfehlte nie sein Ziel und die Hunde der Gruppe
gehorchten ihm. Die Horde bestand schon aus 20 Mitgliedern, deshalb
beanspruchte er nicht alle, sondern nur 4 Frauen für sich.
Er baute das beste Haus, hatte 20 Milchkühe, einen Stier und 10
Ochsen für seine großen Äcker und Felder. Das reichte für 3 Frauen und 15
Kinder.
20 Kamele trugen seine Waren auf der Seidenstraße von China über
Syrien nach Ägypten. Er nannte nur 2 Frauen seinen Besitz, ihm halfen 5
Treiber, die aber selbst keine Frauen hatten.
Architekt und Arzt waren seine Berufe, General und Hofmeister
seine Ämter, als Vertrauter des Pharaos wurden ihm alle Ehren zuteil. Wenn er
Glück hatte, musste er dem verstorbenen Pharao nicht in sein Grab folgen,
sondern wurde vom neuen Herrscher als Ratgeber übernommen. Er hatte nur eine
Frau, aber viele Sklavinnen als Bettgenossinnen.
Viele Leute sammelten sich um ihn, und wenn er anfing, zu
sprechen, schwiegen sie. Man applaudierte am Ende einer Aufführung seiner
Dramen. Sein Einkommen kam zumeist aus dem Handel mit den Kolonien.
Große Ländereien nannte er sein eigen, auf denen viele Sklaven
arbeiteten, neben den literarischen Vorlesungen in öffentlichen Bädern liebte
er blutige Tier- und Gladiatorenkämpfe.
Das Dorf hatte ihm ein Pferd, eine Rüstung und einen Knappen zur
Verfügung gestellt, damit er, alle im Dorf vertretend, für den König in den
Krieg zog. Seine Familie wurde vom Dorf versorgt. Wenn er zu Hause war,
genoss er das Recht der ersten Nacht (Jede Neuverheiratete musste die Nacht
vor der Hochzeit beim Landherrn verbringen.), vielleicht um herauszufinden,
ob sie wirklich noch Jungfrau war. Man hieß ihn den „Ritter von hinter dem
Mond“.
Sein Bruder hatte das Schloss und den Grafentitel geerbt, ihm
blieben geistliche Würden. Abgesehen davon, dass zu viel getrunken und
gegessen wurde, liebte er den Tanz und junge Mädchen. Der lateinischen
Sprache war er nicht mächtig und die Bibel nur aus zweiter Hand bekannt.
Der Flug des Vogels, der Fall eines Apfels vom Baum, eine
Sonnenfinsternis, die Perspektive in der Malerei, die Zerlegung des Körpers
eines Verstorbenen, der ein paar Stunden vorher beerdigt worden war und aus
seinem Grab gestohlen werden musste. Und dafür musste er manchmal sogar mit
dem Tod auf dem Scheiterhaufen rechnen.
Das Paradies Gottes muss schon auf Erden vorbereitet werden.
Arbeit ist keine Sünde mehr, sondern eine ehrbare Tätigkeit. Das waren die
Mottos, die den Protestanten vom Katholiken.
Erfindungsreichtum und handwerkliches Geschick hatten ihn reich
gemacht. Während unten im Tal am Fluss seine Fabrik und die Häuser der
Arbeitenden standen, las sein Palast auf dem Berg. Nur wenn der Wind in die
falsche Richtung blies, mussten seine Fenster geschlossen bleiben, um den
Gestank und Rauch aus dem Tal fernzuhalten.
Sein Vater war in irgendeinem Krieg reich geworden, hatte später
seinen Sohn auf eine Studienreise nach Italien geschickt, Privatlehrer
brachten ihm Altgriechisch, Lateinisch, Italienisch und Französisch bei. Nun
schrieb er im Spa-Kurort seinen Faust, um 2500 Jahre Literaturgeschichte
zusammenzufassen.
Mit dem Orientexpress nach Istanbul, durch den Norden Indiens,
weiter nach Singapur, mit dem Dampfschiff an die nordamerikanische Ostküste,
eine Zugreise quer durch die U.S.A., und wieder ein Schiff nach Plymouth
nehmen, nicht zu vergessen: in Indien eine Frau retten und mitnehmen, in 80
Tagen um die Welt.
Nationalist, Antisemit und Antikommunist sein, aber trotzdem
Anhänger des Jugendstils, später Bauhaus und blauer Reiter.
Bei einer internationalen Firma als Architekt, Ingenieur,
Wirtschaftsfachmann oder Jurist arbeiten, zweimal wöchentlich fliegen, im
Ausland leben.
Lange Haare oder Irokesenschnitt tragen, Woodstock besuchen,
gegen den Vietnamkrieg demonstrieren.
Und heute?
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Montag, 29. Juni 2015
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