Montag, 29. Juni 2015

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Der ideale Mann!

Er war der Stärkste einer Gruppe von 7 – 8 Halbaffen, hatte alle im Zweikampf besiegt, alle machten ihm Platz, wenn eine Nahrungsquelle gefunden oder ein Wasserloch entdeckt war, er beanspruchte alle weiblichen Mitglieder der Gruppe für sich, er war der erste, der dem Feind entgegentrat, aber wenn ein größeres Raubtier in Sicht war, rettete auch er sich so schnell wie möglich auf einen Baum.
Die Gruppe jagte zusammen. Er hatte die beste Nase, das beste Gespür, sein Pfeil verfehlte nie sein Ziel und die Hunde der Gruppe gehorchten ihm. Die Horde bestand schon aus 20 Mitgliedern, deshalb beanspruchte er nicht alle, sondern nur 4 Frauen für sich.
Er baute das beste Haus, hatte 20 Milchkühe, einen Stier und 10 Ochsen für seine großen Äcker und Felder. Das reichte für 3 Frauen und 15 Kinder.
20 Kamele trugen seine Waren auf der Seidenstraße von China über Syrien nach Ägypten. Er nannte nur 2 Frauen seinen Besitz, ihm halfen 5 Treiber, die aber selbst keine Frauen hatten.
Architekt und Arzt waren seine Berufe, General und Hofmeister seine Ämter, als Vertrauter des Pharaos wurden ihm alle Ehren zuteil. Wenn er Glück hatte, musste er dem verstorbenen Pharao nicht in sein Grab folgen, sondern wurde vom neuen Herrscher als Ratgeber übernommen. Er hatte nur eine Frau, aber viele Sklavinnen als Bettgenossinnen.
Viele Leute sammelten sich um ihn, und wenn er anfing, zu sprechen, schwiegen sie. Man applaudierte am Ende einer Aufführung seiner Dramen. Sein Einkommen kam zumeist aus dem Handel mit den Kolonien.
Große Ländereien nannte er sein eigen, auf denen viele Sklaven arbeiteten, neben den literarischen Vorlesungen in öffentlichen Bädern liebte er blutige Tier- und Gladiatorenkämpfe.
Das Dorf hatte ihm ein Pferd, eine Rüstung und einen Knappen zur Verfügung gestellt, damit er, alle im Dorf vertretend, für den König in den Krieg zog. Seine Familie wurde vom Dorf versorgt. Wenn er zu Hause war, genoss er das Recht der ersten Nacht (Jede Neuverheiratete musste die Nacht vor der Hochzeit beim Landherrn verbringen.), vielleicht um herauszufinden, ob sie wirklich noch Jungfrau war. Man hieß ihn den „Ritter von hinter dem Mond“.
Sein Bruder hatte das Schloss und den Grafentitel geerbt, ihm blieben geistliche Würden. Abgesehen davon, dass zu viel getrunken und gegessen wurde, liebte er den Tanz und junge Mädchen. Der lateinischen Sprache war er nicht mächtig und die Bibel nur aus zweiter Hand bekannt.
Der Flug des Vogels, der Fall eines Apfels vom Baum, eine Sonnenfinsternis, die Perspektive in der Malerei, die Zerlegung des Körpers eines Verstorbenen, der ein paar Stunden vorher beerdigt worden war und aus seinem Grab gestohlen werden musste. Und dafür musste er manchmal sogar mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen rechnen.
Das Paradies Gottes muss schon auf Erden vorbereitet werden. Arbeit ist keine Sünde mehr, sondern eine ehrbare Tätigkeit. Das waren die Mottos, die den Protestanten vom Katholiken.
Erfindungsreichtum und handwerkliches Geschick hatten ihn reich gemacht. Während unten im Tal am Fluss seine Fabrik und die Häuser der Arbeitenden standen, las sein Palast auf dem Berg. Nur wenn der Wind in die falsche Richtung blies, mussten seine Fenster geschlossen bleiben, um den Gestank und Rauch aus dem Tal fernzuhalten.
Sein Vater war in irgendeinem Krieg reich geworden, hatte später seinen Sohn auf eine Studienreise nach Italien geschickt, Privatlehrer brachten ihm Altgriechisch, Lateinisch, Italienisch und Französisch bei. Nun schrieb er im Spa-Kurort seinen Faust, um 2500 Jahre Literaturgeschichte zusammenzufassen.
Mit dem Orientexpress nach Istanbul, durch den Norden Indiens, weiter nach Singapur, mit dem Dampfschiff an die nordamerikanische Ostküste, eine Zugreise quer durch die U.S.A., und wieder ein Schiff nach Plymouth nehmen, nicht zu vergessen: in Indien eine Frau retten und mitnehmen, in 80 Tagen um die Welt.
Nationalist, Antisemit und Antikommunist sein, aber trotzdem Anhänger des Jugendstils, später Bauhaus und blauer Reiter.
Bei einer internationalen Firma als Architekt, Ingenieur, Wirtschaftsfachmann oder Jurist arbeiten, zweimal wöchentlich fliegen, im Ausland leben.
Lange Haare oder Irokesenschnitt tragen, Woodstock besuchen, gegen den Vietnamkrieg demonstrieren.
Und heute?

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